"Grünland hat jetzt eine Adresse" Startveranstaltung des Grünlandzentrums Niedersachsen/Bremen
Pressemitteilung vom 28.02.2011
Die Ansprüche an das Grünland sind vielfältig und zum Teil gegensätzlich. Das wurde auf der Startveranstaltung des Grünlandzentrums Niedersachsen/Bremen deutlich, die am 28. Februar in Rodenkirchen (Landkreis Wesermarsch) stattfand. Darin formulierten Vertreter aus Politik, Verbänden, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung ihre Erwartungen an die künftige Nutzung von Grünland.
Während Landwirte ertragreiche Wiesen und Weiden als Futtergrundlage für ihre Tiere benötigen, sieht der Natur- und Umweltschutz im Grünland einen unersetzlichen Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten. Die Ansprüche der regionalen Wirtschaft sind breit gefächert und reichen vom gepflegten Landschaftsbild für den Tourismus bis hin zum Flächenbedarf für Infrastrukturmaßnahmen und Großprojekte. Dabei sind es neue Autobahnen, Häfen, Schienenwege und die Ansiedlung von Gewerbe und Wohngebäuden, aber auch der Rückgang der Rinder- und Schafhaltung, die die Grünlandfläche stetig abnehmen lassen, hieß es in Rodenkirchen.
„Im Küstengürtel ging die bewirtschaftete Grünlandfläche 1999 bis 2007 um 13 Prozent zurück“, konkretisierte Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann. Langfristig gesichert sei das Grünland nur, wenn für die Produkte von Wiesen und Weiden eine Nachfrage am Markt bestehe. Es sei unter anderem Aufgabe des neuen Grünlandzentrums, weitere Marktpotenziale für die Verwertung von Grünland zu erschließen. Das sei wichtig angesichts des „hohen gesellschaftlichen Wertes" von Grünland mit seinen positiven Einflüssen auf Artenvielfalt, Grund- und Hochwasserschutz sowie Klimaschutz.
Der Minister ist damit auf einer Linie mit der Europäischen Kommission. „Die aktuellen Vorschläge zur Neugestaltung der Agrarpolitik ab 2013 zeigen, dass Grünland in Zukunft eine stärkere gesellschaftliche Wertschätzung erfahren wird“, sagte Peter Cornelius, Vorstandsvorsitzender der Trägergemeinschaft Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen. Allerdings werde sich keines der von der Gesellschaft gesetzten Ziele für die Grünlandregionen ohne eine konkurrenzfähige und nachhaltige Milchwirtschaft erreichen lassen.
Das Grünlandzentrum wird nach Auffassung Cornelius den Dialog und Wissenstransfer zwischen Praxis, Wissenschaft und Verwaltung intensivieren, neue Ergebnisse und Ideen bündeln und allgemein verfügbar machen. Dabei gehe es auch darum, die funktionale Vielfalt des Grünlandes in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. „Mit dem neuen Grünlandzentrum geben wir dem Grünland eine Adresse“, sagte der Vorstandsvorsitzende.
Auch Arendt Meyer zu Wehdel, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, sieht die Grünlandregionen Nordwestdeutschlands in naher Zukunft vor großen Herausforderungen. „Einerseits müssen landwirtschaftliche Betriebe weiter wachsen und ihre Produktion optimieren. Anderseits fordern Natur- und Umweltschutz immer mehr Ersatz- und Kompensationsflächen bei großen infrastrukturellen Vorhaben.“ Um die sich abzeichnenden Landnutzungskonflikte zu entschärfen, sei ein kooperatives und koordiniertes Handeln aller Akteure notwendig. Hier setze das Grünlandzentrum an, das sich als gemeinsame Plattform zur Bearbeitung grünlandrelevanter Zukunftsfragen versteht.
Dass die Grünlandwirtschaft für den ländlichen Raum ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor ist, machte Michael Höbrink, Landrat im Landkreis Wesermarsch, für seine Region deutlich. Mit 2,59 Prozent habe die Landwirtschaft einen überdurchschnittlichen Anteil an der Gesamtbruttowertschöpfung seines Landkreises. Das sei deutlich mehr als in Weser-Ems (2,36 Prozent), Niedersachsen (1,58 Prozent) und Deutschland (0,85 Prozent). „Als Arbeitgeber und Motor des vor- und nachgelagerten Bereiches sind die Grünlandbetriebe das wirtschaftliche Rückgrat unserer Region“, sagte Höbrink. Die Wesermarsch sei mit 60.000 Hektar eines der größten zusammenhängenden Grünlandgebiete Deutschlands. Dass das kein Widerspruch zum Naturschutz sein muss, zeige die Tatsache, dass nahezu 10.000 Hektar davon EU-Vogelschutzgebiet seien.
Das „Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen" hat seinen Sitz in Ovelgönne (Landkreis Wesermarsch). Es wurde von den Kooperationspartnern Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Landwirtschaftskammer Bremen, Niedersächsischem Landesbauernverband, Bremischem Landwirtschaftsverband, Kreislandvolkverband Wesermarsch, Landkreis Wesermarsch und Wirtschaftsförderung Wesermarsch GmbH ins Leben gerufen. Gemeinsames Ziel ist es, die Einkommen der Betriebe und Wirtschaftsunternehmen in der küstennahen Grünlandregion zu sichern und Nutzungskonflikte durch einvernehmliche Lösungen zu entschärfen.
Zunächst geht das Grünlandzentrum in eine zweijährige Projektphase. Grundlage dafür ist die finanzielle Unterstützung durch die Metropolregion Bremen-Oldenburg im Nordwesten e.V., die Länder Niedersachsen und Bremen, 30 Unternehmen aus der Wirtschaft (Molkereien, Banken, Energie- und Wasserversorger) sowie weitere Verbände und Landkreise. Innerhalb der zwei Jahre soll das Zentrum zu einer eigenständigen Rechtsform weiterentwickelt werden.

Grünland ist ihre gemeinsame Sache (von links): Arendt Meyer zu Wehdel, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Gert Lindemann, Niedersächsischer Minister für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung, Peter Cornelius, Vorstandsvorsitzender der Trägergemeinschaft Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen, und Michael Höbrink, Landrat des Landkreises Wesermarsch.