Vorsicht bei der Außenlagerung von Festmist

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Umweltbehörde warnt: Vorsicht bei der Außenlagerung von Festmist
 
Aus betrieblichen Gründen kann eine Zwischenlagerung von Festmist auf dem Feld notwendig werden. Dieses ist aber nur akzeptabel, wenn Beeinträchtigungen von Grundwasser oder Oberflächengewässern nicht zu befürchten sind.
In der Vergangenheit wurden auf Flächen in der Stadt Bremen wiederholt unzulässige Festmistlagerungen festgestellt. Hierbei bestand die Gefahr von Auswaschungen, bei denen mit Niederschlagswasser vermischte Jauche austreten und das Grundwasser oder Gräben und Fleeten schädigen kann. Meistens wurde kein ausreichender Abstand vom Grundwasser oder von Oberflächengewässer eingehalten, teilweise haben die Lagerungen in ausgewiesenen Überschwemmungsgebieten stattgefunden.
Die Situation hatte sich im vergangenen Winterhalbjahr in einzelnen Fällen durch hohe Niederschlagsmengen und anschließendem Frostwetter stark zugespitzt. Dadurch war nicht nur die Lagerung unzulässig sondern auch eine ordnungsgemäße Ausbringung des Mistes war bei stark wassergesättigtem, sowie teils schneebedeckten und tief gefrorenem Boden auf den dafür vorgesehenen Flächen nicht mehr möglich.
 
 
Anforderungen
Im Rahmen einer ordnungsgemäßen Landwirtschaft müssen bei der Festmistaußenlagerung folgende Bedingungen eingehalten werden. Die Vorgaben stammen aus der 2011 herausgegebenen Schrift „Festmistaußenlagerung" des KTBL:
 
 
Mistmenge
unter Berücksichtigung der darin enthaltenden Nährstoffe und beabsichtigten mineralischen N-Düngung in einer pflanzenbaulich sinnvollen Relation zu der zu düngenden Fläche
 
Vorbehandlung des Mistes
Miste mit Trockenmassegehalten < 25 % sind einer Vorrotte von mindestens 3 Wochen auf einer befestigten Dungplatte mit Auffanggrube für Sickerwasser zu unterziehen
 
Lagerplatz 
nur auf landwirtschaftlich genutzten Flächen, jährlich wechselnd, nicht im Gewässerrandstreifen, in Überschwemmungsgebieten nur kurzfristig und nicht während potenziellen Überschwemmungszeiten
 
Bodenbeschaffenheit 
tonhaltige Böden sind zu bevorzugen, Sandböden aber nicht grundsätzlich auszunehmen; bei gedränten Flächen Lagerung nicht unmittelbar auf einem Drän
 
 
Grundwasserflurabstand 
mindestens 1,5 m
 
Abstand zu Wassergewinnungsanlagen
mindestens 100 m; in Wasser- und Heilquellenschutzgebieten gelten besondere Regelungen!

Abstand zu Oberflächengewässern
Teiche, Bäche, Gräben, auch wenn sie nur zeitweilig Wasser führen: mindestens so weit entfernt, dass weder eine Gefahr des Eintrags von Stoffen noch eine Behinderung des Wasserabflusses oder der Gewässerunterhaltung besteht (Richtmaß: mind. 20 m Abstand)

Anlage der Mieten
auf möglichst kleiner Grundfläche, sowie mit geringer und ebener Oberfläche; in Hanglagen sind Vorkehrungen gegen das Durchsickern von Niederschlägen am Mietenfuß und gegen das oberflächige Ablaufen von Sickerwasser zu treffen
 
 
Abdeckung der Mieten
nicht grundsätzlich erforderlich; wenn, dann allenfalls nach Ablauf der thermophilen Phase (4-6 Wochen nach dem Aufsetzen) und nur mit gasdurchlässigen Materialien wie Stroh oder Vlies
 
Unterflursicherung
empfehlenswert bei flachgründigen und bei leichten Böden sowie bei Misten mit geringen TM-Gehalten (hier zunächst Vorrotte, s. o. Vorbehandlung); geeignet sind stark bindungsfähige Tone (die Aufwandmenge richtet sich nach deren Kationenaustauschkapazität: 5-8 mol/m²) und bei nicht sickerwasserbildenden Misten (z. B. Geflügel) auch Stroh (Schichtdicke mind. 20 cm); bei einer Unterflursicherung mit stark bindungsfähigen Tonen sind die oberen 5-10 cm beim Abräumen des Mistes mit aufzunehmen und auszubringen

Lagerzeit 
vorübergehend, bis zum nächstmöglichen, pflanzenbaulich sinnvollen Ausbringtermin
 

Nachbehandlung des Bodens 
Bodenbearbeitung nur dann, wenn unmittelbar nach der Räumung des Mistlagerplatzes eine pflanzenbauliche Nutzung erfolgt

Bewertung 
Die Verhältnisse in Bremen sind vielfach geprägt durch hoch anstehendes Grundwasser, sandige, moorige bzw. anmoorige Böden, engmaschige Gewässernetze aus Gräben, Grüppen und Fleeten sowie Außendeichs liegende Überschwemmungsgebiete. Daher sind in der Praxis selbst bei ordnungsgemäßer Mietenanlage und Sicherung kaum örtliche Bedingungen gegeben, die eine in der KTBL-Schrift genannte Außenlagerungszeit von bis zu 6 Monaten zulassen. Insofern ist unter den hier gegebenen Verhältnissen in der Regel nur eine kurzfristige Lagerung unmittelbar vor der Ausbringung zulässig.
 

Rechtliche Bestimmungen und Hinweise 
Neben allgemeinen Sorgfaltspflichten schreibt das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) unter anderem vor, dass nach § 32 (Reinhaltung oberirdischer Gewässer) Stoffe an einem oberirdischen Gewässer nur so gelagert oder abgelagert werden dürfen, dass eine nachteilige Veränderung der Wasserbeschaffenheit oder des Wasserabflusses nicht zu besorgen ist. Nach § 48 des WHG (Reinhaltung des Grundwassers) dürfen Stoffe nur so gelagert oder abgelagert werden, dass eine nachteilige Veränderung der Grundwasserbeschaffenheit nicht zu besorgen ist.

Sind Gewässer oder ist Boden verunreinigt worden, liegt ein Verstoß vor, der den Bestimmungen des Strafgesetzbuches (§ 324 bzw. 324 a) unterliegt.
Daneben kann bei unsachgemäßer Lagerung eine Nichteinhaltung der Bestimmungen der EG-Nitratrichtlinie gegeben sein, was wiederum zu Sanktionen im Rahmen der Cross Compliance-Regelungen führt.
Bei kontinuierlichem Festmistanfall erfolgt die Lagerung im Regelfall auf einer befestigten Bodenplatte in Stallnähe. Die Bodenplatte muss flüssigkeitsdicht sein. Zudem ist die Platte seitlich einzufassen. Die von der Platte abfließenden Stoffe sind zu sammeln und ordnungsgemäß zu verwerten (i. d. R. Jauche- bzw. Güllegrube mit anschließender landwirtschaftlicher Verwertung). Ansprechpartner für Anforderungen an diese ortsfesten Lagerstätten für Festmist, Gülle, Jauche und Silagesickersäften sind Herr Werner (Tel. 0421 361-15831) und Herr Bubas, (Tel. 0421 361-5375) beim Senator für Umwelt, Bau und Verkehr.
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